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July 10 Ein letzter Arbeitstag…Laut Timetable hatte ich heute meinen letzten Arbeitstag. In Wirklichkeit sind allerdings noch viele Kleinigkeiten für den „handyman“ zu erledigen, Schlösser klemmen, ein paar Rattenlöcher sind noch zu hoch frequentiert und Sr. Chris fühlt sich im momentanen Büro Bethanys nicht wohl (???), somit muss der ganze Raum samt Ausstattung ausgesiedelt werden.
Daher verbrachte ich den heutigen Tag damit, den Safe und die Pinwand zu verlagern, Kästen und „anderes Krafl“ folgen noch.
Doch angefangen hatte der Tag am Friedhof im MBUQUE PARC. LUTHOS Grab (das winzige Baby, das letzten Oktober verstorben ist, Blogartikel existiert) benötigte ein wenig Pflege und so machten Joanne (Volunteer aus Neuseeland) und ich uns auf den Weg, um das eingesunkene Grab aufzuhäufen und seinem weißen Kreuz endlich einen Namen, sowie Gebuts- und Sterbedatum zu verleihen. Vermutlich werden alle Gräber im Laufe der Winterbrände dort ohnehin verwüstet, doch es war uns ein großes Anliegen, seine Ruhestätte in Ordnung zu bringen.
Rosie hat mir meinen „letter of reference“ ausgehändigt (für Bewerbungen und dergleichen) und ich war so gerührt, als ich ihre lieben (und wahren=) Zeilen las. Die Mädels scheinen wirklich gemerkt zu haben, dass ihr „Österreicher für alle Anliegen“ schön langsam das Weite suchen wird und sie haben das auch auf ihre besondere, unterschwellige Art zu bemerken gegeben – obwohl ich nicht morgen abfliege, fühlte ich mich so…
Vreni hingegen wird morgen in den „Nachmittagsspucker“ nach Joburg hüpfen – wie ihr seht, wird unsere Gruppe wird nun zunehmend kleiner und es ist wirklich das beste, dass wir alle ungefähr zur gleichen Zeit gehen, das macht den Abschied um einiges leichter.
Am Sonntagvormittag fahre ich schlussendlich nach East London und dort passiert (hoffentlich) das für mich im Moment immer noch Unglaubliche – ein so lange ersehntes Wiedersehen mit einer meiner besten Freundinnen – ich hoffe, du kommst nicht ohne dein Gepäck an, LENA!!!!!!!!!!!! Ein paar Tage an der WILD COAST geben uns dann die Gelegenheit, das letzte Jahr nachzuholen…oder zumindest damit anzufangen. =)
Ansonsten machen uns die üblichen Problemchen zu schaffen, unser Krempel ist entweder zu schwer oder passt gar nicht in den Koffer. Somit sind Postamtbesuche in letzter Minute nicht zu vermeiden. Die vielen Souvenirs stellen sich im Endeffekt somit doch nicht als Schnäppchen heraus und wir können nur hoffen, dass der scheinbar willkürliche Computer im Mthatha Post Office uns nicht ruiniert! =)
Unser Mercedes ruht immer noch vor dem Flat und wartet auf einen Käufer. Die vielen Interessenten sind entweder nicht zahlungsfähig oder unzuverlässig. Doch wir geben die Hoffnung natürlich nicht auf, dass uns unser kleines Leid, dass uns durch den Erwerbs dieses Autos widerfuhr (unsere Vorgänger kauften es um ca. € 1.400,-- und verscherbelten es an uns um € 2.400,--) durch einen Verkauf um wenigstens ein Drittel wieder gut gemacht wird. Nachdem er im Moment schon etwas vibriert/hämmert (Anton meinte, es sind die Kurbelwellen), er Öl und Benzin an Massen schluckt, ist es sehr schwer, es an eine(n) „fahrwillige(n)“ KäuferIn loszuwerden. Und die Mechaniker sind eben eine ganz eigene Spezies…
Sr. Mary Paule (leider kennt sie keiner von euch – unbeschreiblich!!!) schlug vor, die Versicherung zahlen zu lassen und die Karre auf „mysteriöse Weise“ loszuwerden … doch in eine so verzweifelte Lage werden wir hoffentlich nicht geraten!
Anton aus Tirol – er wird vorübergehend Davids Arbeit übernehmen – ist bereits letzten Dienstag angekommen und setzt sich schon brav mit der linken Straßenseite auseinander… ein kleines Anfangsübel, aber das bleibt wohl keinem Mitteleuropäer erspart.
Außerdem ist es kälter als je hier in Mthatha. Doch wir drücken uns Tapfer mit Paracetamol, Schnäutztüchern, Decken und Heizstrahlern vor dem Bett und morgen gibt es auch ein kleines Lagerfeuer, nachdem wir über den Compound ausgeschwärmt sind, um das trockene Holz zu sammeln. Unsere Inder sind da natürlich eine sehr treue Gesellschaft! Genauso wie meine Zimmerausstattung langsam aber sicher in den Koffer wandert, wird es leer und ungewohnt in unserem Flat und genauso herrscht Aufbruchstimmung. Doch die letzten Tage sind sehr schön, intensiv, „bewusster“ und wir können uns in Ruhe mental auf Familie, sehr gute „alte“ Freunde und (hoffentlich!!!) Temperaturen jenseits der 30 °C einstellen!
Ich grüß euch ganz lieb aus Ikwezi Lokusa/Mthatha! In exakt zwei Wochen sind wir im Jumbo nach Heathrow/London!
euer Stefan July 05 MTHATHA DENTIST VISITDie Möglichkeiten hier in Mthatha bei Zahnbeschwerden sehen für Normalsterbliche nicht allzu rosig aus. Diese traurige Tatsache hat mir der letzte Krankenhausbesuch mit SINAWO (ein Mädchen aus der Vorschulgruppe) mehr als deutlich ins Gedächtnis gebrannt.
Rosie gab mir vor der Abreise noch ein paar nützliche Tipps für das bevorstehende Procedere, denn der Anblick von Sinawos Zähnen schmerzt in einem selbst und somit war es klar, dass einer der unteren „braunen Stummel“ raus musste. Ich war gespannt, was uns zwei da erwarten wird…
Der „öffentliche Zahnarzt“ befindet sich im Mthatha General Hospital, ein überheiztes Seitengebäude, zur Abwechslung mit recht freundlichen Schwestern. Ein Tisch, ein paar „Nachkriegsinstrumente“, Sitzgelegenheiten und eine hohe Trennwand sichtet man beim ersten Eintreten.
Die 5 hölzernen Holzbänke, vor der Wand platziert, auf denen wir gemeinsam mit ca. 20 weiteren PatientInnen Platz nahmen, wurden uns auch sogleich wieder weggenommen, als die Frau von der Raumpflege (hier „red alert“ genannt) die Bühne betrat und uns alle ins Vorzimmer verbannte. Mit Gemach und gekonnt spielte sie mit ihrem Sprühkännchen und der Bodenpoliermaschine, natürlich nicht ohne Pause und Gesprächen.
Zurück auf der Bank wurde es für die ersten Patienten schließlich ernst. Spontan drehte sich eine aus unserer Bank zu mir und drückte mir eine Seife in die Hand – für die Kleine, ein Geschenk. Ich war vollkommen gerührt von der lieben Geste. Das findet man vermutlich auch nur hier…
Ich muss auch noch erwähnen, dass der „öffentliche Zahnarzt“ hier keine andere Amtshandlung vollzieht, als Zähne zu reißen – Füllungen gibt es keine und somit geht man erst zum Zahnarzt, wenn „Feuer am Dach ist“ – sowie dies bei Sinawo der Fall war.
Beim Blick in die Runde sah ich einige Schweißperlen auf der Stirn und ich rätselte, ob sie vom überheizten Raum oder der Aufregung kamen – es dürfte wohl beides seinen Beitrag geleistet haben. Einige schienen auch noch schnell ein Gebet zu murmeln…
Üblicherweise werden alle Patienten der Reihe nach zuerst betäubt (sprich jeder bekommt seine Spritze(n)) und beim zweiten Durchgang fliegen die Zähne. Ich war so dankbar, dass kein anderes Kind vor uns war, denn dann wäre mir die Kleine vermutlich auf der Stelle vom Geschrei davongelaufen…
Als wir schließlich an der Reihe waren, zeigte die Ärztin zunächst keinerlei Gelüste, irgendwas mit Sinawo anzustellen. Sie meinte, es würden doch sowieso bald die Zweiten nachkommen und dann würde sich der Fall von selbst erledigen. Ich versuchte ihr zu erklären, dass diese jedoch noch im Zahnfleisch zu faulen beginnen werden, wenn man nichts unternimmt… schließlich diktierte sie ihrer Assistenz widerwillig ein paar Zahlen.
Daraus entnahm ich, dass es insgesamt 4 Zähne sind, die gezogen werden müssen und sie versicherte mir dies, als ich geschockt nachfragte – jetzt bekam es auch ich mit der Angst zu tun. Sofort griff ich nach Handschuhen und ich hätte gleich mehrere Schichten überziehen sollen, denn das Kind ist positiv.
Doch Sinawo war sehr tapfer – natürlich noch nichts vom Unheil wissend. Sie lachte sogar noch auf dem flachen, gepolsterten Stuhl, als ihr die Ärztin (ich würde sie nicht älter als 25 schätzen) aus einem aufgeblasenen Handschuh ein Spielzeug fertigte - in der linken Hand bereits dieses große Drumm an Spritze in der Hand haltend.
Ich schlug vor, Sinawos Mund mit irgendetwas aufzuspreizen, was schließlich mit einem Plastikwürfel geschah. Immer noch kein Geschrei, wohl bemerkt! Ich musste Kopf und Arme zugleich ruhig halten, während die Assistentin sich den Beinen widmete. Sehr laut und unangenehm wurde es im nächsten Moment, als die zwei Spritzen ziemlich flink und gekonnt in der rechten, unteren Kieferseite versenkt waren. Ich dachte, jetzt könnten wir wieder Platz nehmen, um erst einmal auszuatmen und die endlos kullernden Tränen zu beseitigen…
Allerdings hatte die Frau Doktor schon die Zange in der Hand und offensichtlich wollte sie unseren Fall so schnell wie möglich über die Bühne bringen. Das war mir nur recht. Nach ein paar besänftigenden Worten von uns allen, die Sinawo sehr unbeeindruckt ließen, wurde sie schließlich von den braunen Stoppeln befreit, die innerhalb von ein paar Sekunden im roten Sack für „highly contagious stuff“ landeten. Ich war so erleichtert!
Mein nächstes Unwohlbehagen verursachte allerdings schon im nächsten Moment die Aufforderung der beiden, eine zusammengeknaulte Mullbinde für 20 Minuten lang in Sinawos Mund zu drücken – diese natürlich strampelnd, schreiend und sich mit allen Kräften wehrend.
Nach wenigen Minuten stießen wir auf Erbarmen. Paracetamol und Antibiotikum wurden verschrieben und das Rezept wurde mir auf meine Anfrage hin schließlich noch in die Hose gesteckt - meine Arme hatten in der Situation was ganz anderes zu tun…
So schleppte ich Sinawo schreiend zum „dispensary“ (Apotheke), wo wir auf haufenweise verwirrte Blicke stießen. Während ich das Heft auf den Tresen zu befördern versuchte, spuckte Sinawo ihre Mullbinde weit aus – ein Segen, dass die Blutung gestoppt war!!! Ich versuchte, unseren erbärmlichen Auftritt und Anblick mit dem Wort „dentist“ zu erklären, was schließlich jeder verstand.
Zurück beim Zahnarzt fragte uns die Schwester, was wir denn noch wollten. Ich bat um einen Löffel, damit das Schmerzmittel so bald wie möglich seine Wirkung tun konnte – „danke meine liebe Sinawo, dass du uns das Zeug nicht auch noch ausgespuckt hast!!!“
Abschließend drehte ich mich noch den wartenden Patienten zu, entschuldigte die Verzögerung und dankte für ihre Geduld – doch es antwortete jeder mit einem freundlichen Lächeln. Zeit hat man hier halt wirklich noch!
Wir hatten noch eine zweite Verabredung beim Dermatologen, gleich nebenan in einem hohen Gebäude im 4. Stock. Sinawo war nach ihrer Tortur sehr schwer bis gar nicht mehr zu beruhigen, und so meinte die Nurse (nachdem wir erst einmal ihre Teepause draußen am Gang abgewartet hatten), ob ich denn wahnsinnig sei, zuerst zum Zahnarzt zu gehen und danach zum Dermatologen. Das bestätigte ich natürlich, aber ich tat schließlich auch nur, was mir von Rosie beauftragt wurde.
Sinawo war die ganze Zeit draußen und hielt die wartenden Leute bei Laune – ich wartete drinnen auf Rezept und Medikamente und nachdem ich schließlich alles bekam und das Zimmer verließ, fand ich am Gang unsere Sinawo in den Händen einer fürsorglichen, älteren Dame, die ihr ein Bonbon und eine 1-Rand-Münze geschenkt hatte. Ich war so gerührt und dankte ihr von Herzen! Die Kleine war nun endlich friedlich, schlief und zugleich tat es mir leid, dass ich ihr nichts zurückgeben konnte, weil ich weder Geld noch Süßigkeiten bei mir trug.
Dieser Freitagvormittag war für uns beide etwas ermüdend (ich will auf keinen Fall sagen, dass mir Schrecklicheres als Sinawo widerfuhr!) und so landeten wir gegen Mittag erst einmal jeder in seinem Bett…doch vermutlich war das nicht ihr letzter Zahnarztbesuch in der nahen Zukunft.
Nun stehen noch die letzten vier Arbeitstage bevor, einige „fare-well-parties“, das große Packen, der Abschied von Vreni, (Heimflug am 11. Juli), bevor ich am 13. Juli nach East London fahre, um Lena vom Flughafen abzuholen und mit ihr gemeinsam die WILD COAST zu erkunden und genießen!!!
Ich freu mich schon so wahnsinnig darauf – auf der anderen Seite (und das mag blöd klingen) ist es auch sehr schwer zu realisieren… drückt uns die Daumen, dass ihr Gepäck nicht in Madrid oder Joburg hängen bleibt!!!
Beste Grüße aus Mthatha euer Stefan July 03 EndspurtVieles hat sich in letzter Zeit getan und verändert. Die letzten Wochen hier in Mthatha gestalten sich immer verplanter, denn neben der Arbeit, der Zeit mit meinen Kollegen und Nachbarn stehen nun auch Abreisevorbereitungen an.
…AND OFF YOU GO, MY SURFBOARD!!!
Zum Beispiel waren Franzi und ich am Montag am Postamt und haben beide wirklich gefiebert, dass sie ihr 22 kg schweres Packet und ich mein 2 Meter langes Surfboard abschicken kann. Obwohl es ein Postamt ist, heißt es nicht, dass solche Dinge immer selbstverständlich und möglich sind. Vermutlich wurden wir hier noch nie so blöd angeschaut, wie an diesem Tag in der Reihe – überragt von dem langen, flachen Karton. Doch es hat funktioniert! Und der Erfolg hat mich nur ganze R 270,-- gekostet!
DAS HÖLLENAUTO…
Da fällt mir eine weitere Episode ein, die wir an einem Abend erlebt hatten, als wir mit unseren Indern in den „Mthatha Country Club“ essen gingen. Mit zwei Autos reisten wir an und diesmal waren wir im Benz nicht einmal „überfüllt“!! Das Herz blieb David und mir auf jeden Fall stehen, als wir mit unserer alten S-Klasse das Tor passierten, wo sich schon seit langem ein größerer „speed bump“ befindet (das ist eine plötzliche, runde Erhöhung der Straße zum Kontrollieren der Geschwindigkeit, findet man hier überall).
Nachdem dieser kräftig den „Bauch“ unseres Autos gekrault hat – es hat sich nicht gut angefühlt und -gehört (diesmal schien ich die Kurve einfach blöd genommen zu haben…) - dachte und hoffte ich inständig, hinter uns sei eine dieser erbärmlichen Maschinen von Zweirädern, die schon von weitem zu hören ist und deren Sound zum Steigern des Selbstwertgefühl eines Wahnsinnigen dient… NEIN… dem war leider nicht so. Beim Betätigen des Gaspedals wurde uns klar, dass das unser guter Mercedes ist!
Ich sprach mit dem Manager, dieser verwies mich auf eine Nummer. Ich klingelte mich auch sogleich durch und eine freundliche Belinda versicherte mir, sie würde sich darum kümmern (um den finanziellen Aspekt) und wir sollen ja gut wieder nach Haus kommen…
Das sind wir schlussendlich auch, doch frage nicht, wie sich die Heimfahrt angehört hat!!! Die „exhaust pipe“ (Auspuff??) ist während der Kollision ganz vorne entzweigerissen und hat unseren Schlitten in ein Höllenfahrzeug verwandelt… doch es machte (für diesen einen Abend) Spaß, so durch Mthatha zu rasen und nichts dafür zu können! Mit R 150,-- (ca. € 13,--) war alles wieder beim Alten. Übrigens sieht es gut aus, was den Verkauf dieses Autos betrifft… doch ich will nichts verschreien!
+++UPHUMLE NGOXOLO SIPHIWESIHLE+++REST IN PEACE PERFECT GIFT+++
Weniger erfreulich war die Heimkehr aus Durban, als man mir leider mitteilen musste, dass schon wieder eines unserer Babies an Dehydrierung/Durchfall verstorben ist. Wir haben mit Dr. Anria vom Nelson Mandela Hospital gesprochen, die uns jeden Montag besuchen kommt und sie meinte, dass es einfach damit zu tun hat, dass viele Ärzte hier eine sehr schlechte Ausbildung haben und ihre Arbeit pfusch sei. Schon einmal habe ich geschrieben, dass es hier leider einige Ärzte gibt, die ihre Arbeit aus Prestigegründen gewählt haben. Es ist eine Frechheit, dass SIPHIWESIHLE dafür bezahlen musste!
Ihr Begräbnis fand am 25. Juni statt. Wir haben sie neben Dumisani begraben und ich war schockiert, wie viele der leeren Gräber sich in der Zwischenzeit mit verstorbenen Kindern an diesem Friedhof (eigentlich nur Wiese mit sehr hohem Gras) gefüllt haben.
Für uns EuropäerInnen war es an diesem Nachmittag nur sehr schwer zu begreifen, was die vielen Ansprachen so zum Inhalt hatten. Jeder glaubte, sich auf eine andere Art für ihren Tod rechtfertigen zu müssen und betonte, dass es gut war UND wie froh/stolz/geehrt wir sein können, dass Gott UNSERE Siphiwesihle (=perfektes Geschenk) auserkoren und zu sich genommen hat – damit wir weiterhin eine schöne Zeit hier auf Erden haben werden.
Resignation vor dem Tod?
LANDIDYLLE
Wirklich erwähnenswert ist der „Langeni Forest“-Ausflug, den wir in Zeiten, in denen Sabrina noch bei uns war, unternahmen. Mit Franzi, Vreni, Sabrina und der „Downstairs group“ fuhren wir ca. eine Stunde auf der R 61 in Richtung Queenstown. Die Oase, die wir dort vorgefunden haben, war für uns ein Ding der Unmöglichkeit hier im Eastern Cape. Ein klarer, ruhiger und recht großer See, Pinienwälder weit und breit und wären 100 m weiter nicht eine recht große Ansammlung an Afrikaans Südafrikanern gewesen, die ihre Schlagerparade auf und ab spielten und tranken, so könnten wir behaupten, dass dieser warme Nachmittag eigentlich wie ein Traum war – war er auch!!
Der Ruhe, Stimmung und Ausstrahlung an diesem Ort bin ich zuvor noch nie hier begegnet! Es war wie im Bilderbuch – die Kleinen haben sich so wohl gefühlt und es war ganz offensichtlich ein wirkliches Abenteuer für sie – wir hatten allerdings alle Hände voll zu tun, sie vom Trinken des Teichwassers abzuhalten…
PAINTING THE CLASSROOM
Zur Verschönerung unseres Klassenzimmers haben Sabrina, Vreni und ich in unseren letzten Tagen auch noch beitragen können. Unter den endlos vielen Schichten Farbe ist das alte, nicht besonders attraktive Motiv schließlich verschwunden und machte Platz für einen warmen, leuchtenden Gelbton, versehen mit Buchstaben, Fingerabdrücken und Zahlen – nachdem uns jeder gelobt hatte, können wir davon ausgehen, dass es wirklich gelungen ist!
NEUE ARBEITSROUTINE
Aufgrund der rapide sinkenden Zahl an Kindern (wir haben im Moment nur mehr 45 Kinder und am Jahresende sind nur mehr eine Zahl 20 zu erwarten, Sr. Chris scheint eine Art „Hinausschmeißstrategie“ zu verfolgen..) hat man nun die Babystation mit dem Dayroom (nächst ältere Gruppe mit jenen, die Laufen, Spielen, Essen, … lernen, hier arbeite ich) zusammengelegt. Dadurch ist mir ein lang ersehnter Herzenswunsch in Erfüllung gegangen, denn nun darf ich auch für Themba, Thembalethu (unsere Zwillinge), Andisile, Liema, Kwezi sorgen – es ist wirklich ein Unterschied und doch sehr anstrengend – aber ich freu mich wirklich für diese Erfahrung und die Tatsache, dass ich noch mehr Zeit mit den GANZ KLEINEN verbringen darf.
EAST LONDON MIT DEN VORSCHULKINDERN
Letzten Freitag sind Sr. Chrys, Emily, 7 unserer preschool kids und 2 Mamas und ich nach East London gefahren, um eine Spende von den Richtern vom Eastern Cape entgegenzunehmen. Früh losgefahren, um 10:30 Uhr angekommen, mussten wir erst einmal 2 Stunden warten, bis man für uns endlich eine Pause einlegen konnte, da die Herrschaften in einem Meeting waren.
Die Spende gestaltete sich als recht „interessant“ – viele Kartons mit ua. gebrauchten Kleidern für großteils Erwachsene und abgetragenen Schuhen. Doch den absoluten Höhepunkt bildeten jene Kartons mit der Aufschrift TRANSKEI TOYS (!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!), die mehr oder weniger kaputtes Krafl als Inhalt hatten (gut, die beträchtliche Menge an Windeln sollte man nicht unter den Tisch kehren).
Ich kam mir dabei mehr als verarscht vor, 500 km mit DIESEM Ergebnis gefahren zu sein und Sr. Chrys versuchte mich damit zu besänftigen, dass wir froh sein müssen, dass sie uns nicht vergessen haben. Doch wir mussten lächeln und dankbar sein. Das fiel meinem Herz in dem Raum allerdings so schwer wie noch nie!
UNITRA – University of Transkei
Dank unserer Freundschaft mit den Indern bekamen David und ich (vor schon etwas längerer Zeit) auch einen Einblick in die „Walter Sizulu University of Mthatha“ – ein gewaltiger und für Mthatha-Verhältnisse monströser Gebäudekomplex, den ich immer schon nur zu gerne von innen gesehen hätte!
Jakob – ein typischer Medizinstudent, Maleali (aus Kerala, südliche Provinz Indiens) - führte uns über den Campus. Die Hörsäle, Bibliotheken, verschiedenen Institute und Büros, Mensen und Exerzierräume waren sehr beeindruckend – ich hätte mir nie gedacht, dass es so etwas hier gibt!
Als recht „urig“ stellten sich auch die „hostels“ (Unterbringung) heraus, in denen die StudentInnen untergebracht sind. Sie haben sich dort ein wahres Reich aufgebaut, in denen zerbrochene Scherben, eigenartiger Geruch und hin und wieder auch Abfälle dominieren – daher zuvor der liebevoll zu verstehende terminus tecnicus „typischer Medizinstudent“=)
Bald habe ich meinen allerletzten Krankenhausbesuch und Arbeitstag. Es stimmt mich sehr konfus, weil es mir sehr schwer fällt zu realisieren, dass ich in 4 Wochen schon zu Hause sein werde.
Umso mehr bin Lena so unendlich dankbar, dass sie nächste Woche (hoffentlich) in East London eintrudeln wird, um mit mir noch eine gemeinsame, unvergessliche Zeit an der WILD COAST zu verbringen, Mthatha zu erkunden und mich schließlich in den kleinen „Spucker“ zu schleifen, der uns am 24. Juli nach Joburg bringen wird – von da aus geht’s weiter über Heathrow nach Wien.
CARPE DIEM – das ist alles, was ich im Moment zu meiner letzten Zeit hier noch hinzufügen möchte!
Ich grüß euch ganz lieb aus dem kalten Mthatha, 6 °C hatten wir gestern früh und dementsprechend aufgeregt sind die Leute! Manche laufen sogar in ihren Bettdecken herum. Ich bin mit meiner „Lesotho shepherd’s blanket“ in dieser Beziehung vielleicht auch nicht viel besser=)
euer Stefan June 29 DURBAN – klein IndienDas Jahr neigt sich langsam dem Ende zu. Das wurde uns allen letztes Wochenende erst so richtig bewusst, als wir Sabrina nach Durban zum Flughafen begleiteten.
Eine der größten Hürden für diesen Anlass war wohl wieder einmal mehr die Problematik, ein Auto zu organisieren. AVIS, Imperial und Budget car rentals sind immer wieder aufs Neue eine Geduldprobe! Vor allem an diesem Donnerstagmorgen, an dem uns das Auto fix um 8:00 Uhr versprochen wurde. Glück im Unglück – nur eine Stunde Verspätung – trotzdem lästig, wenn man so einen langen Weg vor sich hat.
Irgendwie schafften die Mädels (Sabrina, Franziska, Vreni, Mary) das für mich Unmögliche und all unser Gepäck fand (irgendwo und überall) im VW Chico Platz.
Statt auf der N2 der Küste entlang zu fahren, entschlossen wir uns, wieder die Straße über Ixopo und Umzimkulu zu nehmen – vor Durban hatten wir nämlich noch zwei andere Zwischenstopps geplant.
So erreichten wir gegen 15:00 Uhr „God’s Golden Acre“ in Cato Ridge, wo Sabrina einige Zeit lang gearbeitet hatte, bevor sie zu uns ins Bethany kam. Endlich sahen wir diesen Ort in Natura, worüber wir von ihr schon so viel erzählt bekommen haben. Wenn man selbst in einem Projekt mitarbeitet, ist es immer wieder interessant, Vergleiche mit anderen zu ziehen – „wild geht’s dort zu“, kann ich nur sagen! =)
Ein paar km weiter in Richtung Durban auf der N3 liegt das Städtchen Hillcrest, an dem wir auch dieses Mal nicht einfach so vorbeifahren konnten – hier vervollständigten wir unsere Souvenirsammlung an „Little Travelers“ (siehe blog entry Mariannhill) und sonstigem originellen Zeugs (wie zB traditionelle Zulu-Sandalen mit echter Autoreifensohle!) und wir alle waren so froh, dass die gute Frau unsere VISA-Card sehr gerne akzeptiert hat.
Es wurde gegen 17:00 Uhr schon allmählich dämmrig (um 18:00 Uhr ist es hier bereits dunkel) und meine 4 Navigatorinnen gaben ihr Bestes, um uns wieder aus diesem „Loch“ hinauszubringen… gar nicht so leicht, wenn DURBAN nirgends angeschrieben steht.
Eine Weile später fanden wir uns im Stadtverkehr der zu den drei größten Städten Südafrikas zählenden Metropole wieder und erreichten „Gibela Backpackers“ beim ersten Versuch mit großer Erleichterung! Das Klima in Durban ist um vieles milder und angenehmer, als jenes in Mthatha derzeit. Ich musste nie an die drei Heizstrahler denken, die wir in unserem Flat morgens und abends aktivieren, man benötigte nicht einmal eine Jacke!
Charly, Faye und Emily (unsere Kolleginnen aus Mthatha) warteten dort schon auf uns, denn sie waren ebenfalls auf Rundreise – im stilvollen, charakteristisch-afrikanischen, angenehmen Ambiente rätselten wir über Abendschlachtpläne, das beste Pub in der Umgebung und welcher Küche wir an diesem Abend treu sein sollten – Italienisch oder Indisch???
Es stellte sich heraus, dass FLORIDA ROAD ein recht heißes Pflaster mit krassen Gegensätzen ist und somit machte sich die Ikwezi-Gang (bereichert um Vrenis Urlaubsbegleiter, der ebenfalls im Backpacker gewartet hatte) auf den Weg dort hin.
Das indische Restaurant war wirklich hervorragend. Ich bestellte gleich einmal eine Kellnerin, die uns beim Lesen der Speisekarte behilflich war, denn das stellte sich nicht als so ganz einfach heraus. Die Gerichte waren nur in leichten Ansätzen mit der Küche unserer Nachbarn zu vergleichen (diese ist einfach noch viel „hausmännischer“ und traditioneller), doch jeder war mit dem (spontan und unwissend) Bestellten sehr zufrieden. Es wurde über den ganzen Tisch hinweg gekostet und somit deckten wir an diesem Abend ein recht breites Spektrum an indischen Geschmackserlebnissen ab. Trotzdem ist das „Biriyani“ von Latha einfach um viele Klassen besser!
Wir wälzten uns die belebte Florida Road entlang, an Straßenkünstlern und Verkäufern vorbei, bis wir unsere Bleibe schließlich in einem der Pubs fanden – eines der WM-Spiele wurde an diesem Abend übertragen und ich dachte an die Situation im Chinesischen Restaurant in Mthatha, als ich Auszüge eines Spiels sah und plötzlich die Salzburg Werbung vor unseren Augen umherflimmerte - es war damals einfach viel zu surreal und ich war für kurze Zeit vollkommen verwirrt… Komischerweise hielt fast das „ganze Pub“ zu Deutschland - adressiert in Deutschland-T-Shirts freute man sich lautstark und ausgiebig über jedes der 3 Tore. Da fühlten sich Franzi, Vreni und Sabrina natürlich wohl…=)
Der Freitag stand im Zeichen des Einkaufens – keine Kunst in Durban, wo es zahlreiche EKZs gibt, wie „Pavillion“, getoppt von „Gateway“, welches das größte Shopping Center der südlichen Hemisphäre sein soll und haufenweise Trödler- und Flohmärkte, indische Märkte, Gewürzmärkte… das erweckte in uns natürlich Gelüste, die wir in Mthatha nie verspürten!!!
Mit zwei der „zippy cabs“ (Taxis) zischten wir am frühen Vormittag zum Victoria Street Market – ein Viertel, deren kulturelle Gegensätze und internationale Präsenz fast alle Facetten spielt, es überall wuselt, man an jeder Ecke handelt und feilscht, abzockt und über den Tisch zieht, die Geschäftsräume minimal gehalten werden, die Handtasche eine leichte und verlockende Zielscheibe darstellt und sich der Ramsch gemeinsam mit dem Dreck und den Fußgängern die Gehsteige teilt. Zum ersten Mal sah ich indische BettlerInnen und obwohl ich von meinen Nachbarn wusste, welche Armut in Indien selbst herrschte, konnte ich es an diesem Ort erst so richtig glauben und begreifen. Dieses Bild erfuhren wir auf der Suche nach indischen Gewändern – immer der lieben Tochter des indischen Kaufmanns durchs Gewusel nach, die uns in drei verschiedene Geschäfte führte.
Nachdem wir unsere Taschen in seinem Laden nämlich anständig gefüllt hatten, erbarmte sich dieser schließlich unserer Ortsunkundigkeit und schickte seine Tochter mit auf die Suche nach indischer Mode - und ganz im Speziellen einer „Kurtan“ - für mich.
Erfolgreich zurück in den Victoria Street Market gekehrt – dieser ist eine Ansammlung von kleinen Geschäften verschiedenster Art. Die vielen „spice shops“ würzen sein Inneres mit einer ganz besonderen Brise, die uns an diesem Tag noch lange in der Nase stand.
Korianderpulver, Kokosnusspulver und Biriyani-Reis musste ich noch für Latha besorgen, bevor wir uns vom hungrigen Magen und den erschöpften Füßen getrieben wieder auf den Weg zum Backpacker machten.
In dem SUPERSPAR nebenan gab es tatsächlich frisches Sushi und echten, italienischen Parmesan!!! Ich schaffte es irgendwie, diese kulinarischen Gegensätze als ein unvergessliches Geschmackserlebnis abzuspeichern und erfreute mich über die Tatsache, dass nun bald wieder öfters Parmesan essen werde…
Wir wären nicht die Volunteers aus Ikwezi Lokusa, würde unsere fortgeschrittene „Shopping-Abstinenz in diesen Ausmaßen“ mit dem einen Vormittag gestillt sein – es musste für den Nachmittag noch „Gateway“ aufgesucht werden, allein um sagen zu können, dass wir drinnen waren. So fuhren wir zu sechst im Auto mit mulmigem Gefühl und der Vermutung, in Durban würde die Polizei doch ein wenig aktiver und gründlicher sein, die Küste entlang nach Norden. Wir alle hatten Glück und die Hinterbank danach alle möglichen Leiden…=)
„Gateway“ ist in Sichelmond-förmigen, zweistöckigen, endlos scheinenden und reinwestlichen Ausmaßen angelegt. BOSS, Armani und Co füllten die Schau Fenster, Springbrunnen, Palmen, Security-Guards und die gefinkelte Dachkonstruktion verliehen eine ganz eigene, uns vertraute Atmosphäre und irgendwie schienen wir alle ein wenig verloren – gut, dass es einen hilfreichen Lageplan gibt!
Mary war erpicht auf der Suche nach einem neuen Fotoapparat, weil man ihr das alte (neue) Teil in Mthatha im Plaza während eines Kaffees bei „Milky Lane“ unerkannt und gekonnt abgenommen hatte – weil sie erhebliche Hörprobleme hat, wollte sie nicht allein gehen und ich leistete ihr gerne Gesellschaft.
Selbstverständlich sind wir fündig geworden, mussten uns jedoch zuvor noch einmal auf einen Snack zur Beratung zurückziehen. Nebenbei schwärmte sie auch von ihrem frühmorgendlichen, einzigartigen Friseurbesuch, worauf hin ich aus Intuition auch gleich zum Hörer griff und einen Termin für den nächsten Tag buchte.
Schließlich entschied sich Mary doch nicht für das Modell, worauf wir zwei uns „berry-smoothie“ schlürfend geeinigt hatten. Der Mann und zugleich Fotograf hinterm Tresen erklärte uns die Bedienung dieser R. 6000,-- Präzisionsmaschine und irgendwann nach der zweiten Funktion musste ich ihn schließlich unterbrechen und darauf aufmerksam machen, dass man mit Mary etwas lauter sprechen muss.
Auf dem Rückweg durch den Komplex, denn man im Laufen in 10 Minuten schaffen kann, fiel ich noch über eine indische Boutique, an der ich unmöglich vorbeilaufen konnte. Das Verkaufsgespräch verwandelte sich darin nach bereits kurzer Zeit in ein Hochzeitsvermittlungsgespräch. Ich konnte die Mädels (vor allem die Amma = Mama) mit meinen Adressen/Nummern besänftigen und gab höflich zu erkennen, dass ich eigentlich eher an ihren Shirts und Hemden Interesse hatte.
Für Selbstversorgung in Form von Pasta und Pesto entschied man sich an diesem Abend und sehr bald landete ich auch schon im Bett…
Der Samstag – von uns allen sehr gefürchtet, weil wir uns von Sabrina verabschieden mussten – begann damit, dass mir ein sehr kompetenter und vor allem ruhiger Friseur aus Joburg mit Klinke und Schere „das letzte Jahr“ von meinem Kopf herunter „schäppste“ (vermutlich ein Kärntner Ausdruck), was zu einem sehr erfreulichen Resultat führte!
Damit – und meinen Freunden natürlich – ging es auf in den botanischen Garten, der nicht weit und somit zu Fuß erreichbar gelegen war. Dieser ist eine wahre Oase inmitten dieser etwas hektischen, impulsiven und belebten Stadt, gepflegt, voller exotischer Gewächse und einer großen Vielfalt an Vögeln, die an diesem sonnigen (fast heißen) Morgen ihr Bad im Teich nahmen. Das Orchideenhaus stellte sicherlich einen der Höhepunkte dar! Es ist unglaublich, was die Natur für Formen und Farben kreiert!
Schließlich führte für uns alle kein Weg mehr am Flughafen vorbei und „Durban International“ wurde zum nächsten Programmpunkt. Verbunden mit der Angst, Unsummen an Übergepäck zu zahlen und der Trauer, Südafrika verlassen zu müssen, stand ich mich mit Sabrina am Schalter. Ersteres hat sich Gott sei Dank als sehr unproblematisch erwiesen.
Schließlich stieß auch noch unser Nachbar aus Ikwezi, Jiju, Physiotherapeut im Nelson Mandela Hospital, zum Verabschiedungskomitee. Es war wirklich sehr schwer, unsere Sabrina gehen zu lassen. Noch viel schwieriger war es, zu realisieren, dass sie jetzt wirklich nicht mehr hier bei uns ist und dass der eigene Abschied eigentlich hautnahe steht.
Daraufhin griff ich erst einmal zu Sushi und Parmesan (in der Hoffnung, die aufheiternde Wirkung vom Vortag würde sich wiederholen), bevor ich nach einiger Zeit mit Mary ein weiteres, indisches Lokal aufsuchte, das berühmt für „Bunny Chows“ ist. Das sind halbe, oder geviertelte Toastblöcke, gefüllt mit Curry (darunter versteht man Fleisch/Fisch mit einer würzig-heißen Soße). Die „günstige“ Lage unseres Tisches vor den Toiletteneingängen hatte den Vorteil, dass wir die im halbstündlichen Rhythmus wachsende Theatergruppe aus London, welche sämtliche restliche Tische belegte und schon recht angeheitert war, mitten im Blickfeld hatten - genauso amüsierte uns das Fluchen des verärgerten, laufenden Personals.
Zu späterer Stunde stießen Franzi und Vreni zur Runde und wir waren auf der Suche nach einem Pub. Dabei erkundeten wir die andere Straßenseite der Florida Road. Zum ersten Mal sah ich „Weiße“ mit und ohne Karton auf der Straße schlafen, während man auf der gegenüberliegenden Seite eine Themenparty für die Mittelschicht schmiss. Es war für uns alle unverständlich, wie diese beiden krassen Extreme so nahe nebeneinander existieren konnten, ohne dass es in eine Katastrophe ausartet! Nur zu schnell wurde uns bewusst, welchen Weg wir einschlagen mussten.
Bei Mama Italia stießen wir daraufhin ein letztes Mal auf Durban, Sabrina, unsere Einkäufe, die Tatsache, dass bisher alles glatt lief und unsere Runde an – plötzlich und ganz im Fußballfieber taumelnd wäre fast noch der angetrunkene, australische Küchenchef auf unserem Tisch gelandet. Sein Akzent war sogar für die gebürtige Australierin Mary unverständlich.
Abermals mussten die Mädles am nächsten Morgen ihre Schlichtkünste spielen lassen und schon befanden wir uns auch wieder auf der N2 der Küste entlang in Richtung Banana Beach, wo wir Vreni und Jasper hinter uns ließen.
Es ist jedes Mal ein erneuter Balsam für die Seele, vom KwaZulu-Natal ins Eastern Cape einzutauchen, verbunden mit dem Wissen, bald wieder in Mthatha zu sein, wo wir nun bereits unsere letzten 4 Wochen verbringen werden.
Zu Hause steht ganz offensichtlich der Schulschluss vor der Tür und der Sommer ist endlich eingekehrt, so klagen sehr viele meiner Freunde – wenn ihr wüsstet, wie kalt und unfreundlich es in Afrika sein kann!!! Hier ist noch einiges zu erledigen, bevor ich mich am 24. Juli von Südafrika verabschieden werde.
Ich grüße euch ganz lieb aus dem kalten Süden! euer Stefan June 10 BEDFORD ORTHOPEDIC HOSPITALLetzte Woche bin ich wieder um eine unvergessliche Erfahrung reicher geworden. Andisile (1 Jahr, aus unserer Nursery) litt an Schmerzen, wenn man ihn zum Sitzen aufrichtete, worauf ihn POPD (Kinderabteilung des Nelson Mandela Hospitals) ins „Bedford“ verwies.
Sabrina und ich durften gemeinsam mit dem kleinen und Gott sei Dank sehr friedlichen Bewohner Bethanys dem Geheimnis der Fraktur seines Oberschenkels, die am Röntgenbild zu sehen ist, auf die Spur gehen.
Ich wusste, dass BEDFORD auf dem Weg zum Flughafen liegt, doch dass der Weg in so abgelegene Viertel am Stadtrand führt, hätte ich nie gedacht. Glücklicherweise gibt es immer hilfreiche Fußgänger, die manchmal Englisch verstehen.
Dieses Krankenhaus ist in seiner Spezialisierung (Wirbelsäule und „skin tructure“) das Einzige weit und breit – die Patienten reisen stundenlang in Taxis unter undenkbaren Bedingungen aus allen Richtungen an (darunter versteht man hier Minibusse für bis zu 15 Passagiere) und was sie dort schließlich vorfinden, ist eine eigene Welt...
Der eingezäunte Komplex ist von Bäumen und Stauden umgeben. Sehr oft kann es vorkommen, dass man zwischen den Gebäuden auf Ziegen und Schafe stößt. Regelmäßig kommen Taxis an, die Patienten vor der Tür abladen, die sich auf allen Vieren dann ins Innere begeben – oder sie haben Glück und eine Krankenschwester/Portier erbarmt sich ihrer… Ein regelmäßiges Problem dieses Krankenhauses ist Wasserausfall. Es befindet sich wie gesagt mitten in den „rural areas“ und somit gibt es hin und wieder grabwütige „Tsotsis“ (so werden hier die Verbrecher genannt), die den Hauptverbindungshahn anzapfen wollen.
Absolut originell und offensichtlich der Treffpunkt der Nurses und Hausmeister ist der „Tuck-Shop“, ein kleines Häuschen, das Snacks und Hygieneartikel, wie Seife, Zahnbürsten und Co verkauft. Aus seiner tiefen Tür wird wohl immer der Geruch von heißem Fett heraus steigen. Einmal frittierte die gute Dame Fisch und an einem anderen Vormittag waren es diese „fattballs“, die ihrem Namen wahrhaft alle Ehre machen und von den Leuten hier heiß begehrt sind – ein einfacher Mehlteig in Öl herausgebacken… köstlich, doch ich dachte bis zum Nachmittag nicht mehr ans Essen!!
Wenn man sich auf die wackelige Tresenkonstruktion lehnt, sitzen hinter einem meist ein paar Mamas/nurses und schäkern im heiteren Ton vor sich hin. Sobald das Wort „umlundlo“ fällt, kann man sich sicher sein, dass sie einen gerade zum Gesprächsthema erhoben haben, denn es heißt übersetzt „Weißer“ und eigentlich will ich gar nicht immer so genau wissen, was da so für Kommentare fallen.
Im Outpatience Department geht es immer recht lebhaft zu (das ist der Bereich, den jeder einmal passieren muss, um seinen Doktor zum ersten mal, oder zur „review“ zu sehen; von dort aus wird man, wenn nötig, auf die Stationen verwiesen), man schlägt sich seinen Weg zwischen Patienten in Krankenbetten, Leuten mit Krücken, Kinder, Reinigungskräften und wenn man Glück hat, auch Ärzten durch. Wir trafen gegen 7:30 Uhr ein.
Dieses Zentrum des Krankenhauses ist ein hoher Ziegelbau, mit kleinen Fenstern ganz oben, einigen Türen (den „exam rooms“), zwei Schaltern hinter Glas mit kleinem Glasschlitz (da muss man immer schreien, dass „auf der anderen Seite“ etwas ankommt) und zu meinem Erstaunen – einem sehr schönen Mosaik am Boden.
Nachdem wir die Registrierung hinter uns gebracht hatten – 1 Stunde – gesellten wir Drei uns zu jener Reihe, die für die „Babbas“ (Kinder) bestimmt ist. An diesem Tag hatte ein kubanischer Arzt alle Hände voll zu tun, um die elendslange Patientenschlange kleiner werden zu lassen – hinter uns füllten die Patienten alle 4 Bankreihen mit jeweils ca. 10 hoffnungslos dreinschauenden Gesichtern – vor uns waren um die 15 Mamas, die schon weniger verzweifelt blickten.
Nach drei Stunden war immer noch kein Zeichen eines Arztes zu sehen und nachdem ich aufgefordert worden bin, meinen Platz an einen Patienten weiterzugeben, machte ich mich auf Entdeckungstour…
Kalt ist es im Moment in den Räumlichkeiten und Gängen, die entweder nach außen hin offen stehen, oder deren Fenster eingeschlagen sind. Beim Passieren begleiten einen Wandrisse, die teilweise vor sich hinbröckeln und ich musste unentwegt an diese Kriegsfilme denken, in denen die Lazaretts einen ähnlichen Eindruck geben.
Schließlich konnte ich es nicht unterlassen und ich warf einen Blick in die Röntgenabteilung – von sehr strengem Duft dominiert. Das gesamte Interieur könnte ebenfalls aus demselben Kriegsfilm stammen – ich stand plötzlich ein paar Kindern und Jugendlichen gegenüber, die in dünne Krankenhauskleidung gekleidet waren, ein paar am Tropf und mit Gips und ich erntete durch die Bank seltsame Blicke – ich grüßte freundlich auf Xhosa „MOLWENI“ (Gruß an mehrere) und fragte sie, wie es ihnen denn gehe – „UNJANI“ [undschani] – als Antwort bekam ich ein sehr unglaubwürdiges „SIPILILE NAM ENKOSI, WENA??“ – „es geht uns gut, Danke, und Dir?“ – „NDIPILILE NAM, GUHLE, ENKOSI!“ – „mir geht es (auch) gut, schön, Danke!“.
Mit beiden überkreuzten Zeige- und Mittelfinger gab ich meine besten Wünsche für Genesung zu erkennen und setzte den Gang fort…
Auf einer Tür stand „OT“ (occupational therapy) geschrieben – sehr interessant für meine eigene Zukunft als Physiotherapeut, wofür ich mich nun endgültig entschieden habe – somit öffnete ich vorsichtig die Türe. Keiner zu Hause, doch der „Mitte-20.-Jahrhundert-Stil“ sprang einem auch hier mitten ins Gesicht…
Sabrina war mittlerweile schon „einige Mamas weiter“ und schließlich waren wir, bzw. Andisile, an der Reihe. Der Kubanische Doktor legte ein Tempo und einen Dialekt in seinem Englisch vor, sodass Sabrina und ich nur so mit den Ohren schlackerten – gut, dass ein indischer Praktikant zum Übersetzen anwesend war – wie absurd! =)
Auch unseren kleinen Patienten untersuchte er (wie alle) im 3-Minuten-Verfahren, murmelte und fluchte in sich rein, während ich versuchte, aus dem Inder daneben schlau zu werden (der arbeitete offensichtlich schon länger mit ihm zusammen, sodass er wirklich eine große Hilfe war, allerdings nur beim Übersetzen).
Schließlich entschied er, dass Andisile eine „skin tructure“ bekommt, für 2 Wochen. Dabei liegen die Patienten am Rücken in ihrem Bett, das gesamte Bein ist von einer Bandagenschicht umwickelt, aus deren Ende (beim Fuß) eine dicke Schnur herausschaut, die über die Bettkante hinunterhängt, an deren Ende wiederum ein Gewicht – 1 bis 2 kg – zieht. Dadurch wird das Bein langgezogen und wenn das Gewicht erhöht wird, so schiebt man einen Holzklotz unter das untere Bettende, um es schief zu stellen, sodass nicht der gesamte Patient über die Bettkante rutscht.
Im „Childrens Ward“ – wo Andisile gerade liegt – ist jedes zweite Kind an solch eine Konstruktion gefesselt und ihr Anblick lässt einen ein wenig Schmunzeln, bevor das Mitleid in einem hochsteigt…
Wenigstens gibt es mehrere Fernseher (mit flimmerndem Bild) als Unterhaltung, 3 warme Mahlzeiten am Tag und die Schwestern sind die Nettesten, die ich hier je kennenlernen durfte – statt der erwarteten Ignoranz und dem üblichen, pöbelnden Ton, bekamen wir sogar ein Lächeln…
Nach den langwierigen Aufnahmsformalitäten (Rosie mussten zwischendurch auch anreisen, um ihre Unterschrift leisten), die uns zurück zu den Schwestern ins Outpatience Department führten (davor graute mir), verließen Sabrina und ich dieses Haus gegen 5:00 Uhr – wir machten Halt im Plaza (Shopping Center) und genehmigten uns wohlverdient ein Eis bei „Milky Lane“ – unsere Eisdiele!
Das Traurige an der Geschichte war die Tatsache, dass sich Andisile die leichte Fraktur im Bethany zugezogen hat. Wir hofften, es wäre ein Bruch gewesen, der am Verheilen war und sich vor seiner Aufnahme im Heim zugetragen hat und deshalb auf der Röntgenaufnahme sehr undeutlich zu erkennen war – die Folge war ein Meeting mit den Mitarbeiterinnen aus der Nursery, bei dem Sr. Chrys einen etwas schärferen Ton anschlug, als gewöhnlich…
Außerdem hatten wir diese Woche wieder einmal einen Tag lang kein Wasser – die halbe Stadt war davon betroffen. Ich habe mittlerweile gelernt, längere Zeit ohne Strom zu leben, aber ohne Wasser ist es sehr schwer. Es stehen ein paar Regenwassertanks herum, deren Inhalt allerdings abgekocht werden muss.
Wie gut, dass ich zu Anfangszeiten jede leere Milchflasche mit Wasser abfüllte und sie in unseren „drying yard“ (sozusagen der Balkon) stellte – ein Drittel davon ist nun mit meiner „Kollektion“ übersät und Dank ihr hat unsere Toilette auch am Freitag, dem 5. Juni 2008, gespült! Zu Beginn hielt man mich für paranoid… =))
Einen lieben Gruß aus dem mittlerweile wirklich kalten Mthatha – es ist wirklich unangenehm und hatte sogar den Tag über heute nur 11 Grad, unsere „heater“ laufen tagsüber auf Hochtouren!!
Euer Stefan |
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